Illustration eines buddhistischen Mönches mit Partyhut und Tröte auf einem Meditationskissen: Feste im Buddhismus

Feste im Buddhismus

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Ich liebe Weihachten, bin ein Fan von Ostern und glaube weder an einen Schöpfergott noch daran, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist. Ich freue mich aber jedes Jahr über den Anlass mit Familie und Freunden zusammenzukommen, mir Zeit für die „Besinnlichkeit“ nehmen zu können und ganz einfach ein „Teil“ dieser Tradition zu sein – damit meine ich, dass es ein Stück weit Teil meiner kulturellen Identität ist. Meine spirituelle Identität ist aber das, was Hierzulande unter Buddhismus verstanden wird. Und da ich den Wert von Feiertagen schätze, stellte sich bei mir irgendwann die Frage: Welche Feste im Buddhismus gibt es?

Welche Feste im Buddhismus gibt es?

Die wichtigsten Feste sind Vesakh (Geburt, Erwachen und Tod des Buddha), Magha Puja (Versammlung der 1.250 Arhants), Asalha Puja (erste Lehrrede) mit der anschließenden Regenzeitklausur Vassa und dem Kathina-Fest, dazu Uposatha als regelmäßiger Übungstag. Mahayana feiert den Bodhi-Tag, Parinirvana und Obon, Vajrayana das Neujahrsfest Losar.

Was gefeiert wird, hängt von der Tradition ab: Ein Thai in der Tradition des Theravada begeht Makha Bucha, Visakha Bucha und Asalha Bucha. Das sind auch offizielle Feiertage. Ein Zen-Praktizierender in Japan kennt den Bodhi-Tag und Obon, aber Magha Puja sagt ihm nichts. Ein Tibeter feiert Losar, und das fünfzehn Tage lang.

Die Feste teilen sich grob in drei Gruppen: Erinnerung an Ereignisse im Leben des Buddha, Rhythmus der Ordenspraxis, und Feste, die der Buddhismus in seinen Zielländern vorgefunden und übernommen hat.

Warum feiern Buddhisten nicht am selben Tag?

Die Traditionen rechnen mit verschiedenen Mondkalendern. Fallen zwei Vollmonde in den Mai, feiern Sri Lanka, Kambodscha und Malaysia am ersten, Thailand und Singapur am Vollmond des vierten Mondmonats. Als einziges Land in Ostasien hat Japan im 19. Jahrhundert auf feste gregorianische Daten umgestellt. Deshalb liegt derselbe Anlass je nach Land Wochen auseinander.

Jede Tradition hat ihren Kalender mitgebracht. Dabei wurden Mond- und Sonnenjahr unterschiedlich angeglichen: Zwölf Mondmonate sind elf Tage kürzer als ein Sonnenjahr. Wer diese Lücke wann durch einen Schaltmonat schließt, verschiebt alles Nachfolgende. Japan hat sich radikal von seinen Mondkalender verabschiedet und in der Meiji-Zeit (1868 – 1912) Feiertage auf feste Daten gelegt. Der Bodhi-Tag fällt seither auf den achten Dezember. In China bleibt dasselbe Ereignis als Laba-Fest im Mondkalender und landet meist im Januar.

Was wird an Vesakh gefeiert?

Vesakh ist das höchste Fest der Theravada-Tradition. An einem einzigen Tag wird an Geburt, Erwachen und Tod des Buddha erinnert. Denn nach der Überlieferung fielen alle drei auf denselben Vollmondtag im Monat Vesākha. Die UN-Generalversammlung hat das Fest 1999 mit der Resolution 54/115 international anerkannt. In Thailand heißt es Visakha Bucha.

Mit dem Fest wird der Prozess der Erleuchtung gefeiert: einer wurde geboren, hat verstanden, ist gestorben. Kein Aufstieg, keine Fortsetzung.

Ostasien macht daraus drei Feste. Der Geburtstag bleibt im Frühjahr, das Erwachen wandert auf den Bodhi-Tag im Dezember, der Tod auf den Parinirvana-Tag im Februar. Dieselbe Biografie, anders geschnitten.

In Deutschland begehen die großen buddhistischen Gemeinschaften Vesakh gemeinsam. Das ist ein Event, das ich unbedingt empfehlen kann.

Was wird an Magha Puja gefeiert?

Magha Puja erinnert an eine Versammlung, bei der vier Umstände zusammentrafen: 1.250 Schüler kamen ohne Einladung, alle waren Erwachte, alle hatte der Buddha selbst aufgenommen, und es war Vollmond im dritten Mondmonat. Bei dieser Gelegenheit sprach er den Ovāda-Pāṭimokkha, die kürzeste Zusammenfassung seiner Lehre. Das Fest fällt in Februar oder März.

Was der Buddha ihnen mitteilte, steht heute im Dhammapada als Vers 183 und passt auf eine Postkarte, ohne dabei zur Postkartenweisheit zu werden:

„Nichts Schlechtes tun,

sich das Gute zu eigen machen

und den Geist läutern:

Das ist die Anleitung der Buddhas.“ 

Der ganze Text

Nach der Überlieferung trug der Buddha diese Zusammenfassung zwanzig Jahre lang vor, bevor der Orden dazu überging, die Regeln selbst zu rezitieren. In Thailand ist Makha Bucha heute ein staatlicher Feiertag, an dem kein Alkohol verkauft wird.

Was ist Asalha Puja und was hat die Regenzeit damit zu tun?

Asalha Puja erinnert an die erste Lehrrede des Buddha, überliefert als SN 56.11. Das Fest fällt auf den Vollmond des achten Mondmonats, meist im Juli. Am Tag darauf beginnt Vassa, die dreimonatige Regenzeitklausur: Mönche und Nonnen bleiben an einem Ort. Zum Abschluss überreichen Laien beim Kathina-Fest neue Roben.

Die Regenzeitklausur hat einen banalen Ursprung. Wandernde Mönche zertraten in der Regenzeit die jungen Reissetzlinge. Die Bauern beschwerten sich.

Aus diesen Beschwerden wurde eine Institution: Drei Monate an einem Ort, keine Wanderschaft, verdichtete Praxis. In Thailand und Laos gehen bis heute junge Männer für diese Zeit in einen Orden und danach wieder nach Hause. Zentral bei diesem Fest ist die erste Lehrrede des Buddha in der es um die Vier Edlen Wahrheiten geht.

Kathina am Ende ist ein Geschenkritual, bei dem Laien den Orden beschenken. Neue Roben, Alltagsgegenstände.

Was ist Uposatha?

Uposatha ist kein Jahresfest, sondern ein wiederkehrender Übungstag. Er richtet sich nach dem Mond: Neumond, Vollmond und die beiden Halbmondtage, also rund viermal im Monat. Der Orden rezitiert an diesem Tag die Ordensregeln, Laien nehmen für 24 Stunden acht statt der üblichen fünf Übungsregeln auf sich.

Wer Uposatha zelebriert übt sich für vierundzwanzig Stunde in Verzicht: kein Essen nach Mittag, keine Unterhaltung, kein bequemes Bett. Da sich diese Art der Übung alle sieben bis acht Tage wiederholt, erinnert sie natürlich an den Sonntag der Christen und den Freitag der Juden und Muslims.

Welche Feste feiern Mahayana-Buddhisten?

Mahayana verteilt die Vesakh-Ereignisse auf mehrere Termine. Der Bodhi-Tag am 8. Dezember erinnert an das Erwachen, in China als Laba-Fest meist im Januar. Der Parinirvana-Tag am 15. Februar erinnert an den Tod des Buddha. Dazu kommt Obon, das japanische Ahnenfest im Juli oder August, das drei Tage dauert.

Obon ist der interessanteste Fall, weil er zeigt, wie Buddhismus sich mit dem verbindet, was er antrifft.

Die buddhistische Erzählung dahinter: Der Schüler Mahāmaudgalyāyana, auf Japanisch Mokuren, sucht mit übernatürlichem Blick seine verstorbene Mutter und findet sie im Bereich der Hungergeister. Der Buddha rät ihm, dem Orden am Ende der Regenzeit Gaben zu machen. Die Mutter wird frei. Mokuren tanzt vor Freude.

Aus diesem Tanz wurde der Bon Odori. Dieses Fest wird bis heute in Japan mit Tänzen zelebriert.

Was ist Losar?

Losar ist das tibetische Neujahrsfest und das wichtigste Fest im Vajrayana-Raum. Es folgt dem tibetischen Lunisolarkalender und fällt in Februar oder März. Es dauert fünfzehn Tage, die Hauptfeiern liegen auf den ersten dreien. Gefeiert wird in Tibet, Bhutan, Nepal, Ladakh und Sikkim. Der Ursprung liegt in der vorbuddhistischen Bön-Religion.

Losar war vor dem Buddhismus da.

Die Wurzel ist ein winterliches Räucherritual der Bön-Tradition, das später mit einem Erntefest verschmolz. Als sich der Buddhismus in der Region durchsetzte, bzw. durchgesetzt wurde, wurde das Fest übernommen. Es ist kein buddhistisches Fest, das in Tibet gefeiert wird. Es ist ein tibetisches Fest, das buddhistisch wurde.

Das gilt für einen großen Teil dessen, was im Westen als „buddhistische Feste“ firmiert. Songkran in Thailand, das Wasserfest, hat dieselbe Struktur: älter als der Buddhismus, inzwischen untrennbar mit ihm verbunden.

Wann finden die Feste im Buddhismus statt?

Vier Feste haben ein festes Datum: der Bodhi-Tag am 8. Dezember, der Parinirvana-Tag am 15. Februar und Obon am 15. Juli oder 15. August. Alle übrigen Feste im Buddhismus richten sich nach dem Mond und wandern jedes Jahr. Vesakh fällt auf den Vollmond im Mai, Magha Puja in den Februar oder März, Asalha Puja in den Juli.

FestTraditionTerminRegel
VesakhTheravadaVollmond im MaiVollmond des Monats Vesākha; in Sri Lanka ggf. einen Monat früher als in Thailand
Magha PujaTheravadaFebruar/MärzVollmond des dritten Mondmonats
Asalha PujaTheravadaJuliVollmond des achten Mondmonats
VassaTheravadaJuli bis Oktoberbeginnt am Tag nach Asalha Puja, dauert drei Mondmonate
KathinaTheravadaOktober/Novemberinnerhalb eines Monats nach Ende der Vassa
UposathaTheravadaca. viermal monatlichNeumond, Vollmond, beide Halbmonde
Bodhi-TagMahayana (Japan, Korea)8. Dezemberfestes Datum seit der Meiji-Reform
LabaMahayana (China)meist Januar8. Tag des 12. Mondmonats
ParinirvanaMahayana15. Februarfestes Datum
ObonMahayana (Japan)15. Juli oder 15. August| festes Datum, regional verschieden
LosarVajrayanaFebruar/März1. Tag des tibetischen Lunisolarjahres

Die buddhistischen Dachverbände und die Botschaften der jeweiligen Länder veröffentlichen die Termine, meist im Herbst für das Folgejahr.

Warum fällt Buddhas Geburtstag in Japan auf den 8. April?

Japan hat seine Feste im 19. Jahrhundert vom Mond- auf den Sonnenkalender umgestellt und den Geburtstag dabei auf ein festes Datum gelegt. Das Fest heißt Hanamatsuri, Blumenfest. Dadurch ist es vom wandernden Vollmondtermin der Theravada-Länder abgekoppelt und fällt jedes Jahr auf denselben Tag.

Was bedeutet Puja?

Puja heißt Verehrung oder Darbringung. In Festen wie Magha Puja oder Asalha Puja bezeichnet das Wort die Handlung, nicht das Ereignis. Magha Puja ist also wörtlich die Verehrung im Monat Magha. In Thailand wird daraus lautlich „Bucha“.

Muss man an Uposatha fasten?

Nein, gefastet wird nicht. Die achte Übungsregel verlangt, nach Mittag nichts mehr zu essen. Frühstück und Mittagessen bleiben erlaubt. Der Tag ist als Übung gedacht, nicht als Verzichtsleistung, und endet nach 24 Stunden wieder.


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