Illsutration von Zeus und Hera, gestützt auf einen Rollator als Symbolbild für Götter im Buddhismus

Götter im Buddhismus. Es gibt sie. Aber sie können dir nicht helfen.

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Es gehört zu den spirituellen Fake-News, dass der Buddhismus eine Religion ohne Gott ist.

Im Buddhismus wimmelt es von Göttern. Sie haben sogar einen eigenen Bereich, den du dir auf dem „Rad des Lebens“ (einer populären Abbildung der Lehre vom 12-Gliedrigen-Entstehen) anschauen kannst. Sie haben alles, was man von einem Gott oder einer Göttin erwarten kann: Sie sind schön, schlau und stark.

Aber sie sind nicht unsterblich. Und vor allem:

Sie können dir nicht helfen.

Die interessante Frage ist also nicht, ob es Götter im Buddhismus gibt, sondern warum sie für die Befreiung vollkommen bedeutungslos sind.

Gibt es im Buddhismus Götter?

Ja. Im Buddhismus ist der Kosmos von Göttern bewohnt: Devas, Brahmas, Himmelskönige, dazu Geister und Dämonen. Sie sind mächtiger und langlebiger als Menschen, aber sie sind keine Schöpfer, sie sind nicht allwissend und sie sind dem Kreislauf von Geburt und Tod unterworfen. Es gibt im Buddhismus keinen Gott, der Welt und Wesen erschafft, und keinen, der erlöst.

Deva wird meist mit „Gott“ übersetzt, was einen irreführenden Bedeutungs-Twist hat. Denn ein Deva ist weder eine Art „allmächtiges und alleserschaffendes gasförmiges Wirbeltier“ wie in den monotheistischen Religionen, noch ist es ein Marvel- oder DC-Held wie in den Griechischen oder Römischen oder Germanischen-Mythologien. Ein Deva ist schlicht ein Wesen, das gerade in einem sehr angenehmen Daseinsbereich lebt, weil es dafür die entsprechenden Bedingungen geschaffen hat. Es ist ein Zustand, keine Wesensart. Etwa so, wie „Gast im Fünf-Sterne-Hotel“ kein Charaktermerkmal ist, sondern eine Buchung, die irgendwann ablaufen wird.

Wer sind „die vier Götter des Buddhismus“?

Es gibt sie nicht. Der Buddhismus kennt kein Schema von vier, drei oder fünf Hauptgöttern. Die Frage überträgt ein Muster aus anderen Religionen auf eine Tradition, die es nicht hat. Wer trotzdem eine Antwort will, bekommt je nach Quelle eine andere Gruppe genannt: die vier Himmelskönige, die fünf Dhyani-Buddhas, drei große Bodhisattvas. Keine dieser Gruppen ist „die“ Götter des Buddhismus.

Wo ein Himmel ist, da muss auch ein Wolkenschloss sein, in dem Götter wohnen! Es gibt die Vorstellung von den vier Großen Königen, die die Himmelsrichtungen bewachen. Oder die der Dreiunddreißig um Sakka, die durch ihre außergewöhnlich guten Taten in den himmlischen Sphären wiedergeboren wurden. Ganz oben thronen Mahābrahmā, hoch entwickelte Wesen, von denen eines den Buddha nach dessen Erleuchtung bat, zu lehren. (Der Buddha fragte sich zunächst, ob das überhaupt einen Sinn ergibt). Aber nochmal: Die vermeintlichen Götterlisten, sind nicht die Chefs des Kosmos, sondern einfach nur Bewohner eines angenehmen Bereichs.

Was Devas nicht können

Devas können viel: lange leben, in lichten Welten wohnen, Menschen sehen und manchmal beeinflussen. Sie können zwei Dinge nicht. Sie können nicht erlösen, und sie können auch nicht den Gesetzen von Ursache und Wirkung – von Karma – entrinnen. Deshalb nimmt im Buddhismus kein Gott die Stelle ein, die ein Gott in einem monotheistischen System einnimmt.

Ein Mönch namens Kevaḍḍha will wissen, wo die vier Grundzustände — Erde, Wasser, Feuer, Luft — restlos aufhören. Er fragt seine Mitmönche. Die wissen es nicht. Also fragt er die Götter.

Und jetzt beginnt eine Aufwärtsschleife, die man aus jeder Organisation kennt. Die vier Großen Könige verweisen nach oben. Die Dreiunddreißig verweisen nach oben. Brahmās Gefolge verweist nach oben, mit den Worten: „Aber dort ist Brahmā, der Große Brahmā, der Bezwinger, der Unbezwungene, der allumfassende Seher, der, der die Macht hat, Gott der Allmächtige, der Macher, der Schöpfer, der Erste, der Erzeuger, der Lenker, der Vater derer, die geboren sind und noch geboren werden. Er ist vortrefflicher und erlesener als wir. Er könnte es wissen.“ (Quelle)

Man kennt das aus Warteschleifen am Telefon. Schließlich landete der Mönch ganz oben.

Aber Brahmā antwortet nicht, sondern schildert seine Zuständigkeiten. Der Mönch fragt noch einmal. Brahmā schildert erneut. Beim dritten Mal nimmt Brahmā ihn beim Arm und führt ihn beiseite, weg von seinem Gefolge, und sagt: „Aber ich weiß auch nicht, wo diese vier Grundzustände restlos aufhören. Daher, Mönch, ist es einzig dein Fehlverhalten, einzig dein Fehler, dass du den Buddha übergangen und woanders nach einer Antwort auf diese Frage gesucht hast.“

Ein Schöpfergott, der den Fragesteller aus dem Raum zieht, damit die Mitarbeiter*innen nicht hören, dass er es nicht weiß, und der dann dem Fragesteller die Schuld gibt. Auch in den Götterbereichen geht’s eben zu, wie im Meetingraum eines x-beliebigen Unternehmens. Der Mönch bekommt schließlich vom Buddha die Antwort. Viel Spaß damit.

Der Buddha wird aber nicht nur von Menschen, sondern auch von Göttern gebeten. Zum Beispiel von Brahmā Sahampati, der zum Buddha kommt und ihn bittet, die Lehre zu verkünden. (Quelle)

Kann man als Gott wiedergeboren werden?

Ja, und das ist das Problem. Ein Dasein als Deva ist im buddhistischen Denken das Ergebnis von Bedingungen und kein Endzustand. Wer als Gott wiedergeboren wird, hat sehr lange sehr gute Karten und ist danach wieder in derselben Lage wie alle anderen. Der „Himmel“ ist im Buddhismus ein zeitlich begrenzter Aufenthalt und keine ewige Wohnstatt.

Der Buddha zählt auf, was aus ihm hätte werden können: „Ich könnte als Gott wiedergeboren werden … ich könnte ein Geist werden oder zur Menschenwelt zurückkehren“ (Quelle)  – alles möglich, hätte er die Befleckungen nicht aufgelöst.

Das dreht die übliche religiöse Rechnung um. In einem System mit Himmel und Hölle ist der Himmel das Ende der Geschichte. Hier ist er eine besonders komfortable Zwischenstation, aus der man irgendwann auscheckt und, wenn man das entsprechende Karma hat, auch direktamente eine sehr ungünstige Wiedergeburt erlangen kann.

Ein Gott zu werden ist für die buddhistische Praxis sogar eher hinderlich. Denn man ist ein Wesen, das dem Daseinskreislauf unterworfen ist wie alle anderen, dem es aber zu gut geht, um etwas daran ändern zu wollen. Daher gilt eine menschliche Geburt als kosmischer Hauptgewinn: Man ist nicht so eingeschränkt wie ein Tier, nicht so getrieben wie ein „Hungergeist“ (ein weiterer Bereich), leidet nicht so extrem wie ein „Höllenwesen“ (noch ein Bereich) – und hat nicht komplett die Bodenhaften verloren wie ein Halbgott oder Gott. (Ja, Halbgötter gibts auch im Buddhismus).

Ist Buddha ein Gott oder ein Mensch?

Weder noch, nach seiner eigenen Auskunft. Als der Brahmane Doṇa ihn fragte, ob er ein Gott, ein Zentaur, ein Geist oder ein Mensch sei, verneinte der Buddha jede der vier Kategorien und antwortete: „Behalte mich als einen Buddha in Erinnerung.“ Nicht weil er über den Menschen stünde, sondern weil die Kategorien beschreiben, was wiedergeboren wird und das trifft auf ihn nicht mehr zu.

Doṇa sieht Fußspuren im Sand, die ein Rad mit tausend Speichen zeigen, und denkt: das kann kein Mensch gewesen sein. Er folgt den Spuren und findet einen Mann, der unter einem Baum sitzt. Dann fragt er sich durch die Liste. „Herr, wärst du etwa ein Gott?“, „Ich werde kein Gott sein, Brahmane.“ So geht es weiter, bis auch der Mensch abgelehnt ist. (Quelle)

Die Zeitform ist entscheidend: nicht „ich bin kein Gott“, sondern „ich werde kein Gott sein“. Der Buddha antwortet nicht auf die Frage, was er ist, sondern darauf, was aus ihm noch wird. Und die Antwort lautet: nichts mehr. Hätte er die Befleckungen nicht aufgelöst, wäre er vielleicht ein Gott geworden. Da er es aber hat, ist er jenseits von allem. übrigens auch von „er“ und „sie“ und „es“.

 „Angenommen, da wäre eine blaue Seerose oder eine rosa oder weiße Lotusblume. Obwohl sie im Wasser gesprossen und gewachsen ist, erhebt sie sich über das Wasser und steht unbenetzt vom Wasser da.“ Und dann, ohne Pathos: „und daher, Brahmane, bin ich ein Buddha.“

Dass die Lotusblüte zum Symbol des Buddhismus wurde, ist also keine spätere Erfindung von Kunsthistorikern. Mehr dazu in meinem Text über die Symbole im Buddhismus.

Es gibt im Buddhismus jedenfalls zahlreiche Götter und Göttinnen. Nur haben sie keinen Kundenservice. Keine*r von ihnen wird dich erlösen können. In buddhistischer Vorstellung kannst das nur du, wenn du dich auf den Edlen Achtfachen Pfad begibst. Gute Reise!

FAQs: Götter im Buddhismus

Gibt es im Buddhismus einen Schöpfergott?

Nein. Der Buddhismus kennt keine Instanz, die Welt und Wesen erschafft. Die Figur, die diese Rolle in indischen Religionen trägt — Brahmā

Beten Buddhisten?

Gebete richten sich an Devas oder Bodhisattvas und bitten um Schutz, Gesundheit oder Erfolg. Daneben steht die Verbeugung vor dem Buddha, die kein Bittgebet ist, sondern eine Ausrichtung an einem Vorbild. So kann man auch die Praxis der Wunschgebete und der Langelebensgebete – zum Beispiel für den Dalai Lama – sehen. Die Bedeutung des Begriffs „Beten“ ist genauso wie „Gott“ stark vom jeweiligen kulturellen Kontext geprägt.

Können Götter im Buddhismus sterben?

Ja. Devas leben sehr lange, aber nicht ewig. Wenn die Bedingungen für ihr Dasein als Gott erschöpft sind, endet es und sie werden wiedergeboren wie alle anderen auch. Genau das unterscheidet einen Deva von einem Gott im monotheistischen Sinn: Sie leben sehr lange, sind aber nicht unsterblich.

Ist Māra der Teufel des Buddhismus?

Nein. Māra führt den Buddha und andere Übende in Versuchung, aber ist kein gefallener Gegenspieler eines guten Schöpfers und kein Herr einer Hölle. Er steht für das, was von der Befreiung ablenkt und wird im oft eher entlarvt als bekämpft.

Wer sind die zwölf Götter im Buddhismus?

Eine Gruppe von Schutzgottheiten aus der japanischen esoterischen Tradition, nicht aus dem frühen indischen Buddhismus. Sie bewachen Himmelsrichtungen und Daseinsbereiche und tauchen vor allem in der Tempelkunst auf. Für die grundsätzliche Frage, welche Rolle Götter im Buddhismus spielen, bleiben sie ein Nebenschauplatz.

Was unterscheidet einen Deva von einem Bodhisattva?

Ein Deva ist ein Wesen in einem angenehmen Daseinsbereich, ohne besondere Einsicht. Ein Bodhisattva ist jemand auf dem Weg zum Erwachen, der die eigene Befreiung aufschiebt, bis andere mitkommen. Menschen verehren Devas, weil sie mächtig sind; Bodhisattvas, weil sie etwas verstanden haben.


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