Shilouette eines Meditierenden mit Kettensäge auf dem Schoß. Im Hintergrund Bildausschnitte, auf denen "Loving Kindness", "Generosity" steht

Buddhismus nervt und das ist gut

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Manchmal genieße ich das wohlige Wissen, richtig gehandelt zu haben, um dann von einem kalten Blitz ins Herz getroffen zu werden. Natürlich ist der Buddhismus schuld. Denn einmal mehr liefert er Präzisionswerkzeuge, mit denen ich hervorhole, was in den dunklen Winkeln meines Geistes verborgen bleiben sollte: Die Gleichgültigkeit und Apathie, obwohl ich Gleichmut ins Schaufenster gestellt habe. Oder sie zerrupfen den Lilienstrauch einer edlen, selbstlosen Liebe und legen die Registrierkasse einer schnöden Geschäftsbeziehung frei: Ich tu dies …, nun tu du das…! Sie fräsen den verspielten Stuck von der Oberfläche meines Mitgefühls und lassen den unnahbaren Monolithen von oben herabblickenden Mitleids zurück.

„Der nahe und der ferne Feind“ heißt das Werkzeug, das das anrichtet – mein aktuelles Lieblingswerkzeug im Buddhismus. Also, was hat es damit auf sich? Hass, Gier (Anhaftung) und Unwissenheit vergiften den Geist und sind der Quell der unzähligen Neurosen, Projektionen und Narrative, mit denen wir uns und unseren Mitwesen das Leben zur Hölle machen. Deshalb wenden Buddhisten große Mühen (Rechte Anstrengung) auf, um diese Geistesgifte zu neutralisieren: Liebende Güte, Mitfreude, Mitgefühl und Gleichmut sind die Navy Seals, das Marine Corps, das KSK und die Delta Force unseres Geistes, um Hass, Neid, Mordlust, Gier und so weiter zu bezwingen – die konkreten Schlechtigkeiten sind „der ferne Feind“. Du spürst ihn lodern, hörst ihn brüllen, siehst ihn sich auf die Brust trommeln, sich die Haare raufen, mit den Füßen stampfen.

Ich frage mich als Werber, ob diese Strenge nicht am Ende auch zu den Dingen gehört – wie der erste der Vier Edlen Wahrheiten –, die in Marketingabteilungen von Unternehmen als „Kommunikationsdesaster“ gelten. Der Buddhismus ist eine Religion? Philosophie? Praxis? – na, jedenfalls kein Picknick, sondern das Brecheisen, um sich aus demKreislauf des Leidens (wieder so ein „Kommunikationsfail“) zu befreien.

Ein Wunder, wenn das nicht weh tut. Denn der ferne Feind ist der leichte Teil – man erkennt ihn, weil er brüllt. Der andere, der nahe Feind, trägt die Uniform der Tugend.

Der „nahe Feind“ ist der „ferne Feind“ in der Verkleidung von liebender Güte, Mitfreude, Mitgefühl und Gleichmut. Es ist die letztlich an Bedingungen geknüpfte Liebe, die eifersüchtig jeden falschen Blick notiert – der Lilienstrauch, der sich als Registrierkasse entpuppt. Es ist das Mitgefühl, das nicht die Hand ausstreckt oder den Verstand aktiviert, um echte Lösungen zu finden, sondern das zu herablassendem Mitleid wird, dessen Sentimentalität dem Ego eine weiche Kuscheldecke der Selbstgerechtigkeit wird. Noch einer? Es ist der Gleichmut, der kein Fels in der Brandung ist, sondern der Keller, in den man sich vor dem Sturm flüchtet: Weltflucht, die Schutz in Apathie und Gleichgültigkeit sucht. Und so weiter.

Das Konzept vom „nahen und vom fernen Feind“ ist der Schleifstein deiner „introspektiven Schärfe“, das Vergrößerungsglas deiner Selbstreflexion. Es geht, wie so oft im Buddhismus, nicht darum, sich „gut“ zu fühlen. Denn dann wäre er nur ein Showroom für dein Ego – und der Anfang vom Ende als Narzisst und/oder Psychopath. Es geht immer nur um Klarheit, um bedingungslose und wahrhaftige Liebe, aus der nichts anderes wachsen kann als etwas Gutes. Aber bis es soweit ist nervt es manchmal.


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